"Beim Thema Integration spielen Vereine eine zentrale Rolle"

 

Seit dem Sommer 2019 ist Dr. David Tchakoura der neue Integrationsbeauftragte mit Schwerpunkt Geflüchtete der Stadt Konstanz. Hauptfelder seiner Tätigkeit sind die Integration der Geflüchteten und die Entwicklung des Konzepts „Internationale Stadt Konstanz“. Beim Netzwerk-Hock im Oktober hat Herr Tchakoura sich und seine Aufgaben unseren Mitgliedern vorgestellt. Im Nachgang gewährte er uns dieses Interview.

 

(Interview vom 20. November 2019)

 

 

Herr Tchakoura, in Ihrem Tätigkeitsbereich beschäftigen Sie sich tagtäglich mit geflüchteten Menschen. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Integrations-Barrieren?

In erster Linie ist hier klar die Sprache zu nennen. Sie steht in direktem Zusammenhang mit erfolgreicher Integration. Wenn mangels Sprachkenntnisse keine direkte Kommunikationsmöglichkeit besteht, verläuft Eingliederung dementsprechend langsamer. Hinzu kommt dann die eigene soziale Situation der Geflüchteten. Es dauert seine Zeit bis die Grundbedürfnisse der ankommenden Menschen gestillt sind und Akklimatisation stattfindet. Bis dorthin kommen Geflüchtete vorrangig mit Behörden und Organisationen in Kontakt.

 

Wenn die zwei genannten Faktoren sich nach geraumer Zeit verbessert haben, was ist der nächste Schritt in die erfolgreiche Integration?

Hier spielt vor allem die Beschäftigung eine wesentliche Rolle. Über die Arbeit bekommt man alles auf einmal: finanzielle Unabhängigkeit, man lernt die Sprache, erhält soziale Kontakte und eine Perspektive. Hierfür gilt es, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Um die Vorbehalte in der Bevölkerung abzubauen, sehe ich kulturelle Begegnungen als ein wichtiges und immer noch unterschätztes Instrument an. Begegnungen sind

wichtig, um gegenseitigen Respekt zu entwickeln. Integration bedeutet nicht, dass jeder jeden mögen

muss. Aber, dass jeder sich in seiner Umgebung wohlfühlt. Die Menschen zusammen zu bringen, das ist das Ziel. Immer wenn Menschen zusammen kommen, ist Potential für Integration da. Möglichkeiten gibt es viele. Eine davon ist z.B. die „Interkulturelle Woche“.

 

Können Sie sich dazu gemeinsame Projekte mit dem Netzwerk Bürger-Engagement vorstellen?

Selbstverständlich. Ich bin für alle Ideen offen, die die Themen Integration, Geflüchtete, gesellschaftlicher Zusammenhalt beinhalten. Sie können gerne mit Vorschlägen auf mich zukommen oder umgekehrt, ich auf Sie.

 

Welche Möglichkeiten sehen Sie, geflüchtete Menschen für Ehrenämter in Vereinen und Organisationen motivieren zu können? In welchem Bereich und gibt es Beispiele?

Die Mehrheit der Migrantinnen und Migranten haben in ihren Ursprungsländern keine vergleichbare Vereinsstruktur wie sie in Deutschland Tradition ist. Engagieren tun sie sich trotzdem, z.B. in der Nachbarschaftshilfe, in Familien- und Freundeskreisen, im Dorf etc. In Konstanz sieht man diese Bereitschaft für ein ehrenamtliches Engagement von Seiten der Geflüchteten in Vereinen wie CAFE MONDIAL oder auch SAVE ME. Und es ist auch zu beobachten, dass viele Migranten sich untereinander zu Gruppen und Initiativen

zusammenschließen oder selbst eigene Vereine gründen. Hier sei exemplarisch der AWOLI e.V. genannt, der dieses Jahr zum dritten Mal das Afrika Festival veranstaltet hat. Ehrenamt und Vereine sind wichtig für die Integration.

 

Was könnten die etablierten Vereine und Organisationen aus Ihrer Sicht unternehmen, um geflüchteten Menschen den Einstieg ins  Ehrenamt zu erleichtern?

Oftmals wirken Vereine nach außen quasi als „Geschlossene Gesellschaft“. Hier könnten verstärkt positive Signale gesendet werden: Du bist willkommen. Wir sind für alle offen!

 

Herr Tchakoura, abschließende Frage: Was wünschen Sie sich vom Netzwerk Bürger-Engagement?

Das Netzwerk BE ist für mich wichtig, weil es als kräftiger Multiplikator fungiert. Die Mitglieder können eine zentrale Rolle für die interkulturelle Öffnung der Vereinslandschaft und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen. Dann schaffen wir gemeinsam eine gesunde Basis für ein harmonisches, soziales Miteinander.

 

 

Vielen Dank für das Gespräch!