Interview mit Monika Sarkadi

Eine-Welt-Regionalpromotorin
für die Landkreise Konstanz, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar, Rottweil und Zollernalb,

Leiterin KonSoLe (Konstanzer Solare Lernwerkstatt) - BNE-Arbeit (Globales Lernen zu Erneuerbaren Energien und globale Verantwortung) für Schulklassen in der Region Konstanz,

Arbeitssitz ISC Konstanz e.V.



Newsletter Frühling 2020 der Eine-Welt-Regionalpromoterin Monika Sarkadi:  lesen! 

 

  

Das Netzwerk Bürger Engagement freut sich, heute mit Monika Sarkadi sprechen zu können.

Sie ist neue Mitmacherin im NW BE und hatte sich bei unserem letzten Hock kurz vorstellen können.
Mit diesem Interview wollen wir Monika Sarkadi aber allen interessierten Mitmacher*innen näher bringen.

Das Interview führte Sylva Heinzler vom Steuerungskreis des Netzwerks Bürger-Engagement. 

 

Monika, wie spricht man Deinen Namen eigentlich korrekt aus?

Mit SCH am Anfang…und ich freue mich jedes Mal, wenn mein Name korrekt geschrieben wird, was außerhalb von Ungarn viel zu selten passiert!

 

Du bist also gebürtige Ungarin. Magst Du uns ein wenig über Dich erzählen - unabhängig von Deinen vielfältigen Aufgabenbereichen?

Ich bin in Budapest geboren, und habe viele Jahre im Libanon, in Kanada und in Frankreich gelebt. In Deutschland bin ich nun seit 1998 - so lange wie nirgends! Dennoch fühle ich mich als Ungarin, oder wie es mir mal gesagt wurde: eine Weltbürgerin, die in Ungarn geboren ist. Ich habe viel Erfahrung mit verschiedenen Kulturen gemacht, die mich sehr geprägt haben und diese Erfahrungen wende ich auch in meinem Alltag an. Nach dem Master in International Business habe ich noch mein Traumstudium absolviert: Ethnologie und Kulturanthropologie. Ich bin Mutter von 3 Kindern und fühle mich in Konstanz zu Hause.

 

Dann erzähle uns jetzt bitte, was Du als Eine-Welt-Regionalpromotorin machst!

Beim International Solar Energy Research Center (ISC) Konstanz e.V. bin ich für die Sozialprojekte mit Solarenergie zuständig und habe die Konstanzer Solare Lernwerkstatt für Schüler mitaufgebaut. Die Aufgabe als Eine Welt-Promotorin habe ich 2017 übernommen - zunächst nur als Elternzeitvertretung - bin aber dann „hängengeblieben“. Ich wusste zuerst gar nicht, was entwicklungspolitische Inlandsarbeit genau bedeutet und habe erst während meiner Arbeit entdeckt, wie vielfältig und weitreichend die Aufgabenbereiche sind. Der Kern dabei ist die Stärkung von Wissen und Kompetenz im Hinblick auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit sowie die Förderung von zivilgesellschaftlichem Engagement und politischer Partizipation. 

 

Du bist für ein sehr großes Gebiet zuständig, nämlich für die Landkreise (LK) Konstanz, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar, Rottweil und Zollernalb. Warum so ein großes Gebiet und wie sind die genannten Aufgaben für diese Landkreise zu verstehen?

Das Eine Welt Promotorenprogramm wird für entwicklungspolitische Inlandsarbeit von Bund und  Land gefördert. Unser Bundesland wurde in 8 Regionen aufgeteilt; wir sind also 8 Regionalpromotor*innen, die Eine Welt Themen in die Fläche bringen und hier vom DEAB (Dachverband Entwicklungspolitik BW) koordiniert werden. Bundesweit gibt es schon etwa 150 Promotor*innen! Wir unterstützen zahlreiche, meist ehrenamtliche Initiativen und Vereine in ihrem lokalen Einsatz für eine global gerechte und nachhaltige Welt. Wir regen neues Engagement in diese Richtung an, in dem wir Kampagnen und Aktionen konzipieren und dabei mit lokalen Akteuren kooperieren. Wir beraten, organisieren, vernetzen zivilgesellschaftliche, aber auch kommunale und wirtschaftliche Akteure unter- und miteinander und bringen Praxisworkshops in die Regionen.

 

Ich kann natürlich nicht in allen 5 Landkreisen ständig persönlich präsent sein, das meiste bewirke ich in der Region Konstanz. Mit Akteuren in anderen Landkreisen bin ich eher über Mails und Telefon in Verbindung. Ich nehme mir jedes Jahr einen anderen LK vor, schaue welche Bedarfe die Region und die Zielgruppen haben, was dort bereits läuft und überlege, wo ich anknüpfen kann, welche Strukturen noch ausgebaut werden sollen oder wo ich neue thematischen Impulse setzen kann. Oft sind diese ländlichen Regionen mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr schwer zu erreichen.

 

Dann sind wir hier in KN privilegiert, weil Du Deinen Wohnsitz in KN hast?

Natürlich kenne ich hier viele Gruppen und bin auch mit der Stadtverwaltung und mit Unternehmen schon ganz gut vernetzt. Ich weiß ja auch „was Konstanz bewegt“, wie die Menschen ticken, das ist ein großer Unterschied! Deshalb bin ich in KN am meisten aktiv, aber das geht bei allen Promotoren-Kolleg*innen ähnlich in ihren Standorten. Hier fällt es mir selbstverständlich leichter an die häufig auf den Abend gelegten Veranstaltungen teilzunehmen. Sonst bin ich alle 2-3 Wochen mal in Stuttgart. 

 

Deine weiteren Aufgabenbereiche am ISC sind die Koordination der sozialen Projekte im Globalen Süden, die Leitung der solaren Lernwerkstatt und du setzt Dich auch stark für die Rechte indigener Völker ein. Hat sich dieser Bereich aus Deiner Promotoren-Arbeit heraus entwickelt? Diese Bereiche sind natürlich auch ganz eng miteinander verbunden. Einer meiner Schwerpunkte als Regionalpromotorin liegt in der Verbreitung des Bildungskonzeptes „Globales Lernen / Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“. Dies befähigt Menschen (Kinder, Jugendliche, Erwachsene) in unserer komplexen Welt über globale Zusammenhänge zu reflektieren und verantwortungsvoll zu handeln für eine zukunftsfähige Welt. Dieses pädagogische Konzept setze ich zum Beispiel auch in meiner Arbeit in unserer Solarwerkstatt in der Praxis um. 

 

Internationale Partnerschaften sind ein weiteres Thema aus der Eine Welt-Arbeit. Ich arbeite intensiv mit der Bürgerinitiative ProAmazonia Konstanz zusammen, welche die Klimapartnerschaft zwischen Konstanz und dem indigenen Volk der Borari in Brasilien initiiert hat und aktiv begleitet. Auf ProAmazonia bin ich über eine Veranstaltung über indigene Völker auf unserer Erde gestoßen, die ich im Café Mondial organisiert hatte. Inzwischen haben wir uns als Verein gegründet und beantragen gerade die Gemeinnützigkeit. Ich bin seit meiner Kindheit fasziniert von indigenen Völkern und ihren Kulturen und engagiere mich weiter privat in dieser Initiative, die Indigene am Amazonas in ihrem Kampf um ihre Menschen- und Landrechte unterstützt.

 

Musst Du dann auch öfter in diese Länder fliegen?

Ich muss gar nichts und ich fliege auch ungern. Ich war einmal auf einem Solarprojekt in Kamerun dabei, da wir damit 5 vorherige Projekte abgeschlossen haben. Die Borari wollte ich gerade im Mai 2020 am Amazonas aufsuchen; leider ist Corona dazwischen gekommen… 

 

Wie kam ein Solarforschungsinstitut zur Eine Welt-Promotorenstelle?

Das International Solar Energy Research Center ist die tollste Firma auf der ganzen Welt! Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der seit 15 Jahren trotz aller Krisen sehr erfolgreich in der Solarforschung arbeitet. Wir haben viele ausländische Mitarbeiter*innen; das ermöglicht eine Bündelung von Wissen aus aller Welt. Unser Ziel ist die Verbreitung der Photovoltaik auf allen Ebenen. Meine Kollegen entwickeln neue Konzepte um die Solarenergie effizienter und günstiger zu machen und damit in die Fläche zu treiben. Wir sind aktiv in Technologietransfer und Bildungskooperationen. Die Technologie soll möglichst schnell in den Globalen Süden transferiert werden – wo die klimatischen Bedingungen meistens optimal sind und um die dortigen Bevölkerungen autark zu machen. Unsere Mitarbeiter haben viele soziale Projekte in Kamerun, Indien, Chile, Ghana und Tansania ehrenamtlich durchgeführt um die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern. Deshalb wurde der ISC damals für die Trägerschaft der Eine WeltPromotorenstelle für diese Region vom damaligen BW-Minister für Europa und Internationale Angelegenheiten vorgeschlagen. 

 

Warum hast Du Dich dem Netzwerk BürgerEngagement in KN angeschlossen?

Das NW BE umfasst viele engagierte Gruppen, unter denen einige, die ich noch nicht kenne. Ich erhalte regelmäßig viele interessante und wichtige Informationen, die Engagierte in ihrer Arbeit unterstützen können. Ich berate und vernetze sie gerne. Bei mir können Aktive auch Bildungsmaterialien und technisches Zubehör für ihre Veranstaltungen ausleihen, die Liste steht bereits in der Börse auf der BE-Webseite. 

 

Was wünschst Du Dir vom NW BE?

Ich bin immer auf der Suche nach neuen Gruppen, denen ich gerne meine Informationen und meine Beratung anbiete. Darüber hinaus freue ich mich über neue Kooperationspartner zu Kampagnen und Aktionen. Gerade jetzt „während und nach Corona“ ist es wichtig, dass die gebündelte Zivilgesellschaft präsent ist und mitredet bei dem Neuaufbau unserer Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme: 

• Was hat uns Corona gelehrt?

• Was wollen wir weiterhin behalten?

• Was wollen wir ändern?

 

Ich würde es sehr gut finden, hierzu eine Diskussionsplattform zu errichten und mit Interessierten z.B. in einem Arbeitskreis arbeiten zu können.

 

Liebe Monika, herzlichen Dank dafür, dass Du Dir die Zeit für dieses Gespräch genommen hast und für Deine vielseitigen Angebote! Wir freuen uns, mit Dir zusammen arbeiten zu dürfen!